Hospizbewegung

Die moderne Hospizbewegung bezieht sich gedanklich auf die Herbergen des römischen Reiches und des Mittelalters. Schwache, kranke und sterbende Menschen fanden in ihnen Unterstützung und Betreuung – ihnen wurde Gastfreundschaft angeboten. Für die spezielle Pflege Schwerkranker und Sterbender entstanden im 18. Jahrhundert in Dublin und in Lyon die ersten Hospize. Von dort verbreitete sich die Idee in andere europäische Länder.


Die Gründerinnen der modernen Hospizbewegung waren die Schweizerin Elisabeth Kübler-Ross (1926 – 2004) und die Engländerin Cicely Saunders (1918 – 2005).


Elisabeth Kübler Ross beschäftigte sich mit den Sterberitten verschiedener Völker und Forschungen über das Sterben und den Tod. Sie sprach mit unheilbar kranken Menschen und befragte sie nach ihren Gefühlen. Sie wollte von den Sterbenden lernen und erfahren, welche Hilfen sie sich erhoffen. 1969 veröffentlichte sie in Amerika ihr Buch „On Death and Dying“. 1971 erschien es mit dem Titel „Interview mit Sterbenden“ in deutscher Sprache. Auf Grundlage ihre Forschungen und Erfahrungen entwickelte sie ein Verarbeitungsmodell sterbender Menschen und nannte es „Die fünf Phasen des Sterbens“.
Zu der Zeit, als Elisabeth Kübler-Ross ihr Buch veröffentlichte, wurde über das Sterben und den Tod nur selten gesprochen. Sterben fand im Verborgenen statt. Sie führte den Menschen der damaligen Zeit sehr klar vor Augen, dass sterbende Menschen lebende Menschen sind, mit all ihren Gefühlen und Wünschen und löste damit heftige Diskussionen aus. Angeregt durch ihr Buch und der anschließenden Auseinandersetzung der Menschen mit dem Thema, brachte sie die letzte Lebensphase - das Sterben in das  Bewusstsein der Menschen zurück.


Cicely Saunders  arbeitete als Krankenschwester, Sozialarbeiterin und Ärztin. Sie eröffnete 1967 das erste stationäre Hospiz in London, das St. Christopher`s Hospice. Sie war der Überzeugung, dass Menschen auch in ihrer letzten Lebensphase Lebensqualität erfahren können.
Die Linderung von zum Beispiel Schmerzen oder Luftnot sah sie als Grundlage der Behandlung an, um den schwerkranken sterbenden Menschen ihre Situation so gut wie möglich zu gestalten. Cicely Saunders gilt auch als Mitbegründerin der Palliativmedizin.
Ein sehr bekanntes Zitat von Cicely Saunders, das ihre Haltung gegenüber sterbenden Menschen deutlich macht lautet,


„Du zählst, weil Du du bist,
und du wirst bis zum letzten Augenblick deines Lebens
eine Bedeutung haben."


In Deutschland entwickelten sich ab 1985 erste ehrenamtlich arbeitende Hospizvereine, Hospizinitiativen und Arbeitsgemeinschaften.
Im Zentrum der Hospizarbeit steht der Mensch in seiner letzten Lebensphase mit seinen Bedürfnissen und Wünschen sowie seine An- und Zugehörigen.


Das Herzstück der Hospizarbeit bilden die ausgebildeten ehrenamtlichen Hospizbegleiter und Hospizbegleiterinnen. Ihr emotionaler Beistand hilft bei der Auseinandersetzung mit der Erkrankung und dem bevorstehendem Tod. Sie sind für Betroffene da. Bei der Auseinandersetzung mit der veränderten Lebenssituation unterstützen sie und organisieren nötige Hilfen. Wenn es der Betroffene wünscht, hilft er ihm unerledigte Dinge auf den Weg zu bringen.
Die hospizliche Begleitung endet nicht mit dem Tod eines lieben Menschen.
Neben der Sterbebegleitung ist die Trauerbegleitung ein Angebot der Hospizvereine. Auf Wunsch können Hinterbliebene Trauerbegleitung in Form von Einzel- oder Gruppengesprächen erfahren.
Die Beratung bei der Erstellung einer Patientenverfügung und Vorsorgevoll- macht gehört ebenfalls zu den Tätigkeiten vieler Hospizdienste.


Hospizvereine arbeiten in einem Versorgungsnetzwerk im Sinne der zu begleitenden Menschen. Netzwerkpartner sind unter anderem palliativpflegerische und palliativmedizinische Anbieter sowie Dienste mit weiteren psychosozialen und spirituellen Angeboten. Hauptamtliche Koordinatoren und Koordinatorinnen unterstützen und begleiten die Arbeit der ehrenamtlichen Hospizbegleiter.
Es engagieren sich in Bayern rund 8000 ehrenamtliche Hospizbegleiter in rund 150 Hospizdienste.

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